Donnerstag, 9. Januar 2014

Ein Wintermärchen

Ich möchte euch heute ein ukrainisches Volksmärchen vorstellen. Meine Version ist von Jan Brett. Ich liebe so kurze Geschichten und Märchen, vor allem wenn Tiere aus unserer Natur vorkommen. Die Geschichten werden bei mir im Kindergarten immer mehrmals erzählt und die Kinder hören auch bei Wiederholungen immer noch sehr gerne zu uns wünschen sie sich immer wieder.
Hier also das erste Märchen auf meinem Blog.

Der schneeweisse Handschuh

Es war einmal ein Junge, der hiess Nicki. Er wünschte sich ein Paar neue Fausthandschuhe aus Wolle, so weiss wie Schnee. Zuerst wollte Baba, seine Grossmutter, ihm keine weissen Handschuhe stricken. "Wenn dir einer in den Schnee fällt", sagte sie, "wirst du ihn nicht wiederfinden." Doch Nicki wollte unbedingt schneeweisse Handschuhe haben, und schliesslich strickte Baba sie ihm.
Als die Handschuhe fertig waren, sagte sie: "Wenn du nach Hause kommst, werde ich zuerst schauen, ob du heil und gesund bist, und dann aber, ob du deine schneeweissen Handschuhe noch hast."
Nicki zog los. Es dauerte gar nicht lange, da fiel einer der neuen Handschuhe in den Schnee, ohne dass Nicki es merkte.
Ein Maulwurf, müde vom Tunnelgraben, entdeckte den Handschuh und kroch hinein. Es war warm und gemütlich darin, auch die Grösse passte, und so beschloss er zu bleiben.
Ein Schneehase kam angehoppelt. Er hielt einen Augenblick an, um sein Winterfell zu bewundern. Da entdeckte er den Handschuh. Rückwärts, mit den Hinterbeinen zuerst, zwängte er sich hinein. Der Maulwurf meinte, dass für zwei in einem Handschuh kein Platz wäre. Doch als er die kräftigen Hinterläufe des Hasen sah, rückte er zur Seite.
Gleichdarauf kam ein Igel schnuppernd daher. Er hatte den ganzen Tag unter nassen Blättern etwas zum Fressen gesucht. Nun beschloss er, in den Handschuh zu schlüpfen um sich aufzuwärmen. Der Maulwurf und der Hase wurde gestossen und angerempelt. Doch mit jemandem der solche Stacheln hatte, wollten sie nicht streiten. Und darum machten sie ihm Platz.
Der zappelnde Handschuh hatte die Aufmerksamkeit einer grossen Eule erregt. Und kaum war der Igel darin verschwunden, kam sie vom Baum heruntergeflogen. Als sie beschloss, ebenfalls in den Handschuh zu schlüpfen, murrte der Maulwurf, der Hase und der Igel. Doch dann sahen sie die scharfen Krallen und liessen die Eule schnell herein.
Durch den Schnee näherte sich ein Dachs. Er betrachtete den Handschuh und begann hineinzukriechen. Dem Maulwurf, dem Hasen, dem Igel und der Eule gefiel das gar nicht. Es war kein Platz mehr. Doch dann sahen sie die starke Pfoten und fügten sich.
Es begann zu schneien. Den Tieren machte das nichts aus, sie hatten es gemütlich in dem Handschuh, und eine Wolke von Wärme stieg davon auf.
Ein Fuchs, der gerade vorüberging, blieb neugierig stehen. Schon der Anblick des warmen behaglichen Handschuhs liess ihn schläfrig werden. Er streckte seine Schnauze hinein. Sobald der Maulwurf, der Hase, der Igel, die Eule und der Dachs die blitzenden Zähne sahen, machten sie reichlich Platz für de Fuchs.
Ein grosser Bär kam schwerfällig daher. Er lugte in den prall gefüllten Handschuh. Und weil er nicht im Kalten bleiben wollte bahnte er sich mit der Nase einen Weg hinein. Die Tiere wurden fest aneinander gequetscht. Doch welches Tier würde sich wohl mit eine Bären anlegen?
De Handschuh schwoll an und dehnte sich. Er wurde gezogen und ausgebeult: er wurde immer länger und weiter. Doch Babas Gestricktes hielt stand.
Eine Feldmaus, nicht grösser als eine Eichel, kam daher. Sie machte es sich auf der Nase des grossen Bären bequem.
Die Schnurrhaare der Maus kitzelten den Bären, so dass er heftig niesen musste. Haaaaa-haaaaa-haaaaa-tschi!
Er nieste so stark, dass der Handschuh hoch in die Luft schoss und die Tiere in alle Richtungen davonflogen.
Auf dem Heimweg sah Niki aus der Ferne etwas weisses, das sich vom Blauen Himmel abhob. Es war der verlorene Handschuh.
Als Niki losrannte, um den schneeweissen Handschuh aufzufangen, sah er Babas Gesicht am Fenster. Zuerst schaute sie, ob er heil und gesund war, und dann ob er seine neuen Handschuhe noch hatte.
Doch wie sahen die Handschuhe aus? Einer war noch so wie vorher, doch der andere war um einiges grösser?

Ich hoffe euch gefällt die Geschichte. Wahrscheinlich folgen nächste Woche noch Bilder vom Tischtheater, mit dem ich diese Geschichte im Kindergarten erzähle.
Wenn wir Glück haben gibt es auch noch Schnee, passend zur Geschichte. Die Kinder würden sich freuen.

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